Sächsische Zeitung: Erhitzte Gemüter…

Bereits am 1. Juli 2015 irrte die Sächsische Zeitung durchs Sommerloch und störte ausgerechnet uns beim Frühstück (hier). Ausgangspunkt war die Empörung eines Herrn Wolfgang Arndt über eine unserer Werbebotschaften (hier). Er gibt seiner Schlussfolgerung mit folgendem Satz Ausdruck: „Es legt nahe, dass dem Mann im Scheidungsfall alles genommen wird.“

Sehr geehrter Herr Arndt, wir kennen uns nicht. Da Sie nun aber einmal diese Diskussion angeschoben haben, nehmen wir uns die Freiheit einer Stellungnahme. Wir respektieren Ihr „klares Pfui“, welches abzudrucken die SZ den Schneid nicht hatte. Allerdings haben Sie mit Ihrer Interpretation lediglich eine der auf der Sachebene vorhandenen Interpretationsmöglichkeiten wahrgenommen. Das ist schade für Sie, aber nicht schlimm. Menschen ticken verschieden, ihre Antennen funktionieren ganz unterschiedlich. Kommunikation ist ein durchaus komplexer Vorgang, der eben nicht ausschließlich sachbezogen abläuft. Der überwiegende Teil der Handvoll Kommentatoren auf Ihrer Facebook-Seite betrachtete die Sache ja auch durchaus differenziert.

Womit Sie falsch liegen, ist Ihre Verknüpfung der Botschaft mit unserem Rechtsverständnis. Wir sind Scheidungsanwälte, wir kennen das deutsche Trennungs- und Scheidungsfolgenrecht. Dieses Recht sucht den Ausgleich: beim Unterhalt, beim Zugewinnausgleich, beim Versorgungsausgleich.

Vielleicht aber meinten Sie ja stattdessen unser Gerechtigkeitsempfinden. Wir stimmen zu, Ihre Lesart zählte dann zu den möglichen. Allerdings stünde diese Selbstoffenbarung doch in offenem Gegensatz zur Intention der Werbung – der Erlangung familienrechtlicher Mandate. Glauben Sie ernsthaft, ein Anwalt, der bei der Mandatsanbahnung offen kundtut, sein Ziel sei es, den jeweiligen Gegner wirtschaftlich bzw. moralisch fertig zu machen, würde dauerhaft im Geschäft bleiben? Es sind die Menschen in der Lebenslage Scheidung oder Trennung, die ihre Wünsche und Ziele definieren. Zum gängigen Repertoire sehr guter Familienanwälte gehört es, diese auf ihren Realitätssinn und Realisierbarkeit zu prüfen und das Ergebnis dem Mandanten zu spiegeln. Dass in der Konsequenz des Einzelfalls taktische Vorgaben durch den Anwalt gemacht werden [müssen], wo es um Gut und Geld geht, ist müßig zu erörtern. Übrigens ist Rache nur äußerst selten Motivation, meist in Folge akuter und schwerer Vertrauensbrüche in der Beziehung.

Wir stellen nicht in Abrede, dass es Scheidungsfälle gibt, nach deren Abschluss der eine Teil sich mit einem wirtschaftlichen Reset und Neuanfang konfrontiert sieht. Aber in nahezu allen dieser sehr seltenen und tragischen Geschichten fehlte den Betroffenen genau eines: ein spezialisierter, starker Anwalt [hier nun haben Sie einen der Appelle der Botschaft in feiner Kongruenz mit deren Ziel].

Ist also noch mehr dran an unserem Bild? Dies herauszufinden bleibt interessierten, kritischen Geistern überlassen.

Sehr geehrte Frau Veltzke, wir kennen uns ebenfalls nicht. Augenscheinlich genießen Sie als Journalistin einige Freiheiten, immerhin eine halbe Seite haben Sie für uns freigemacht. Soweit Sie jedoch beschreiben, im Internet sei eine Diskussion „entbrannt“, liegt wohl in der Übertreibung die Veranschaulichung. Sie haben die Kommentare auf der Seite des Herrn Arndt gelesen; haben Sie sie auch gezählt? Bis zum Erscheinen Ihres Artikels hatten 20 Leute 25 Kommentare abgegeben. Wenn Sie das auf der Facebook-Seite Ihrer Zeitung zur „Lawine der Entrüstung“ aufbauschen, beleidigen Sie im Auge des kundigen SZ-Lesers den sprichwörtlichen Sack Reis, der in China umgekippt ist.

Sehen Sie keine anderen Probleme über die in halbseitiger Aufmachung Obsession betrieben werden könnte, vielleicht gar sollte? Bezogen auf Ehe und Beziehung z.B. könnten Sie der Frage nachgehen, was in diesem unseren Land falsch läuft, dass die Geburtenzahlen immer weiter zurückgehen. Derzeit liegen wir bei 1,3 Kindern pro Frau; keine nachhaltige Größenordnung. Sie könnten erwägen, welche äußeren Umstände dies bedingen und wie sie gegebenenfalls zu ändern wären. Oder folgt die durch die verheerende Kinderarmut der Gesellschaft als Ganzes zum Ausdruck kommende Hinwendung zum Tode womöglich naturgegebenen Gesetzen? Falls Sie nur Lokales berichten dürfen, brechen Sie das Thema auf Riesa herunter mit seinen unfassbaren 7 Geburten pro 1000 Einwohner. Darf hier das Ende als abgemacht gelten, mit allen Implikationen für Arbeit, Wohnen und Leben der kommenden [oder besser: bleibenden] Generation in unserer Stadt? Gravierende soziale Probleme wie Überalterung, Arbeitslosigkeit, Armut oder Ab- und Zuwanderung sind latent und gehen uns alle an. Wir könnten spannende Diskussionen führen.

Zum Schluss: die Botschaft ist nicht männerfeindlich. Dass wir vordergründig die Frauen adressiert haben, war indes eine bewusste Entscheidung. Denn in etwa 9 von 10 Fällen sind sie es, die die Entscheidung treffen, die Beziehung auch in formaler Hinsicht zu beenden. Dies ist ebenso Teil der Lebenswirklichkeit wie die Tatsache, dass Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Vom Appell an die Männer war ja weiter oben schon die Rede.

Unsere Tür steht jedem offen. Wer daran vorbeigeht, findet bei Bedarf andere qualifizierte und engagierte Familienanwälte in Riesa.

Vielleicht aber war alles auch ganz anders…und hatten eventuell einige Damen und Herren nach einem der letzten Clubtreffen den einen oder anderen Schoppen zu viel…

Was unser Schild angeht, es erhält gerade eine Aufwertung. Wir werden die Beteiligten von der Wiederanbringung in Kenntnis setzen.

Mit sommerlichen Grüßen

Thomas Pollmächer und Diana Leuschke

PS: Es gab und gibt keine Genehmigung unsererseits an die Sächsische Zeitung und Herrn Arndt, unser urheberrechtlich geschütztes Bild bei Facebook zu veröffentlichen. Die dortigen AGB‘s sind doch hoffentlich bekannt. Eine Verwertung durch Facebook an Dritte würde uns allen die Sommerlaune verderben.